Sonntag, 23. Dezember 2012

Vegan Burnout - Die Welt (nicht?) retten

Lange Zeit war es hier still. Das liegt daran, dass ich wohl unter so etwas wie einem veganen Burnout litt, weil ich erkannte, dass ich die Welt nicht retten kann. Okay, diese Erkenntnis ist vielleicht nicht allzu überraschend, aber irgendwie war ich doch sehr niedergeschmettert. Warum?

1. Einer Baustelle folgt die nächste: Ich verzichte auf Fleisch. Aber halt, Milch, Eier und Käse sind auch voll tierleid. Ich lebe vegan. Moment, was ist mit Palmöl, das zerstört den Regenwald! Ich achte auf vegane, palmölfreie Lebensweise. Und was ist mit Kakao? Oder Plastik? Ich lebe also vegan, palmöl- und schokoladenfrei, entdecke trotzdem noch lauter neue Missstände und habe langsam das Gefühl, gar nichts mehr essen oder gar genießen zu dürfen.

2. Ich sehe kaum Ergebnisse. So viel mehr Menschen als früher wenden sich dem Vegetarismus oder Veganismus zu. Aber können sie all jene Menschen aufwiegen, die dafür ihren Fleischkonsum seit Jahrzehnten ständig steigern? Ändern sie was an den Subventionen der Fleischindustrie? Bringt es denn alles nichts?

3. Es kommt wenig Verständnis aus dem Umfeld, sondern vor allem Ablehnung, Spott, Ausgrenzung oder Zweifel. Ich habe keine veganen Freunde hier. "Vegan" als schöne gesellschaftliche Erfahrung existiert nicht, sondern nur als gesellschaftliches Problem.

Mit dem Feminismus erging es mir nicht anders. Ich habe an vielen Büchern und Filmen keinen Spaß mehr, weil ich sie analysiere. Ich habe mit vielen Freunden, deren Macho-Attitüden ich früher mit einem Augenrollen abgetan habe, inzwischen zu massive Probleme, als dass wir noch eng befreundet sein könnten. Ich sehe nicht, dass sich die Dinge gravierend zum Positiven verändern - Lilifee glitzter munter rosafarben vor sich her und animiert Mädchen, sanfte Prinzessinnen zu sein und derweil werden Frauen immer noch allzu oft als Menschen zweiter Klasse behandelt.

Ich versuche, diese Dinge zu überwinden. Ich versuche, den "Spirit" wiederzufinden - das Positive zu sehen, die kleinen Erfolge mehr wahrzunehmen, die Community kennenzulernen. Aber vermutlich erst nach Weihnachten, denn gerade diese Zeit ist keine Gute für den positiven veganen und feministischen Spirit: Es landen lauter Tiere auf den Tellern, es wird Müll ohne Ende produziert (warum kann man Geschenke nicht wenigstens in irgendwelches Altpapier einwickeln, das noch rumliegt?), Eltern werden Geschenke spezifisch für Mädchen (wie zum Beispiel Spielzeugherde oder Babypuppen, um sie gleich mal auf die Herdprämie einzustimmen) oder spezifisch für Jungen (und wehe, der möchte lieber die rosa Plüschfigur!) angedreht, usw.

Trotzdem wünsche ich natürlich allen ein paar schöne, bewusste Feiertage.

Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    dein Post hätte von mir sein können - allerdings vor ungefähr einem Jahr. Die gute Nachricht: ICH habe die vegane Krise überwunden, du schaffst das sicherlich auch. Bei mir war die erste Euphorie geprägt von "Ich habe endlich die Wahrheit gefunden, ich will, dass alle Anderen auch endlich erleuchtet werden!" (nur leicht übertrieben *g). Anschließend folgte dann prompt das "wenn nur ich das mache, wird die Welt nie ein besserer Ort".
    Es gibt immer Menschen, die mit leuchtendem Beispiel voran gehen und dadurch, vielleicht auch ganz unbewusst, zur Inspiration für Andere werden. Ich habe schon das Gefühl, dass Menschen sich für meine Ernährung interessieren, hier und da mal was Neues ausprobieren, Dinge hinterfragen etc.
    Aber selbst wenn nicht: Ich tue es FÜR MICH. Um meinem eigenen Anspruch an mich gerecht zu werden. Und um meiner Gesundheit einen guten Dienst zu erweisen. Du kannst auch nicht, wenn du als langjähriger Raucher aufhörst zu rauchen erwarten, dass plötzlich alle Raucher aufhören. Jeder braucht sein Tempo, seinen Zeitplan. Erfreue dich daran, dass DU den Ausstieg geschafft hast.
    Zum Feminismus habe ich eine etwas andere Einstellung als du. Ich konnte es hier nicht herausfinden: Hast du Kinder? Seitdem ich zwei kleine Töchter habe und im Umfeld sowohl viele kleine Mädchen als auch Jungs sehe kann ich dir mit Bestimmtheit sagen: Die spezifischen Geschenke suchen sich die kleinen Menschen schön selbst aus. Wir haben hier eine Werkbank, eine Küche, Autos, Puppen, von allen Klischees ist etwas dabei. Bekommen wir Besuch ist es so, dass selbst Einjährige gezielt auf das geschlechterspezifische Spielzeug zusteuern. Nun kannst du behaupten, dass die Eltern das daheim antrainieren. Ich glaube es nicht. Hier bei uns wimmelt es nur so von Lillifee - Produkten. Warum: Weil die Vierjährige das so möchte. Ich unternehme wirklich viel, um sie mit der bunten Palette an Spielsachen, Erfahrungen, Ansichten, Lebensarten bekannt zu machen. Aber ne Barbie war ihr einziger Wunsch zu Weihnachten.
    Klar, die Industrie ist Schuld. Aber bitte urteile nicht über Dinge, von denen du selbst (denke ich?) gerade nicht "betroffen" bist, sondern sie nur aus der grauen Theorie kennst.
    Ich wünsche dir ein wunderschönes, besinnliches Weihnachtsfest. Bei uns gibt es heute Fake - Rouladen mit Klößen und Rotkohl, veganes Gebäck und Streuselkuchen. Meine Familie freut sich drauf, war aber wie gesagt auch ein längerer Weg.
    Der stete Tropfen und so..
    Alles Gute von Nina

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  2. Wie schön dennoch wieder von Dir zu hören!
    Bitte bitte, Kopf hoch!
    sieh das Postivie, die Berge an Müll die DU eben schon vermeidest und die Menge an Eiern oder Milch die DU bereits NICHT verzehrst!
    Ich hatte das auch... Diese unendliche Traurigkeit und verzweiflung ja dennoch nichts ändern zu können.
    Und imemr NOCH soooo viel besse rmachen zu müssen.
    Doch man muss auch ein bisschen loslassen können, man kann nicht perfekt sein sondern es eben nur Stück für Stück besser machen.
    Ganz ehrlich, manche werden IMMER etwas finden was noch vermeiden wäre, das ist mir ehrlich gesagt dann zu extrem und bringt einen nicht weiter.
    Mach für Dich das Beste, ich finde einfach: "Der Weg ist das Ziel"
    Ich kann Dich wirklich soo gut verstehen, mir geht es oft immer nochg enauso. Ich möchte Plastik vermeiden, regional und saisonal einkaufen (danner ledigen sich viele Themen von selbst), da sist oft soo schwer weil kaum etwas übrig bleibt udn viele diese Denkweise nicht verstehen. Ich versage auch sogar momentan ziemlich oft und nasche "normale" schokoladesachen udn fühle mich ganz schlimm danach, aber ich gebe nicht auf und denke doch daran auf wieviel ich bereits so gerne verzichte!
    Du schaffst das!
    Geniesse erst mal das Weihanchtsfest, Deine Familie und Freunde, tanke auch! Ich wünsche Dir viel Licht und Liebe im Herzen und schöne Feiertage udn würde mich sehr sehr freuen wieder öfter hier zu lesen!
    Alles Liebe und alle Farben des Regenbogens.
    GLG, MamaMia

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  3. Hallo :-)

    Ich kann das geschriebene meiner Vorposter nur bestätigen und deine innere Verzweiflung mitfühlen! Es gibt Tage, da kann ich meinen Fleisch-Esser-Freund nicht mal küssen ohne mich zu Fragen, ist das Richtig, warum versteht nicht mal er mich,was muss ich tun um ihm die Augen zu öffnen!? Auch in meinem Studium stoße ich immer wieder an die Akzeptanz Grenze(Ich studiere AccesoireDesign, da ist Leder "normal"). Ich kann auch kaum noch Filme schauen in denen ich keine Gehirnwäsche sehe oder wichtige Botschaften entdecke,die Anscheinend nur ich entdecke! Ich weiß, wie es sich anfühlt so alleine in den Kampf zu ziehen(natürlich verbal^^) und gerade vor Weihnachten werden bei mir solche Gedanken und Gefühle auch wieder sehr stark! Aber es gab in der Geschichte immer eine Minderheit, die für die gerechte Sache gekämpft hat und ich bin stolz zu dieser Minderheit zu gehören und meinen Kopf zu benutzen, nicht nur um eine Mütze zu tragen! Fühl dich gedrückt und verstanden und geb die Hoffnung nicht auf! Jedes einzelne Tier,jeder einzelne Mensch,den/das wir retten können ist es wert die Gesellschaft zu hinterfragen!

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  4. Du musst nicht gleich die ganze Welt retten. Wichtig ist es, einen Anfang zu machen. Mir ging es ganz ähnlich, ein bißchen desillusioniert ist man dann nach einer Weile, weil die Auswirkungen eher theoretisch sind. Lies mal hier http://achtungpflanzenfresser.wordpress.com/2012/09/02/wie-theoretisch-ist-veganismus/ Aber was mir hift, ist an die Alternative zu denken. Irgendwo muss man ja anfangen, oder? Und wenn keiner was kritisiert, keiner bewusst konsumiert, keiner zeigt, dass man vegan leben kann ohne an Mangelescheinungen zu sterben, woher soll die Veränderung dann kommen? Einer muss schonmal bissl denken, das bewegt schon was im direkten Umfeld...es ist nicht unheimlich viel, aber es bewegt sich was. Und wenn du dir anschaust, wieviele vegane Produkte es jetzt schon gibt, zeigt das zweifelsfrei, dass der Markt reagiert, wenn der Bedarf sich verändert. Auch in der Politik ändert sich was (Verbot der Käfighaltung etc.) Natürlich in winzig kleinen, unbefriedigenden Schritten. Aber selbst die wären nicht da, wenn es nicht leute gebe, die daran glauben, dass das so richtig ist bzw. dass gewisse Missstände ans Tageslicht kommen müssen.

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  5. Es passiert auch andersrum. Heute schrieb mein Bruder mir eine Mail mit der Ansage, er sei irgendwie heute früh aus Versehen zum Vegetarier geworden - nachdem er sieht, wie lange mir das schon gut tut und nachdem mittlerweile meine halbe Familie sogar vegan lebt, will er es einfach mal versuchen. Das finde ich toll, selbst wenn seine Frau (die gern, viel und fleischig ißt) das nicht mitmacht und er den Fleischkonsum nur einschränkt, zum Beispiel in der Kantine auf der Arbeit, ist das schon großartig. Also: Kopf hoch; es sind winzige Veränderungen und sie dauern manchmal ewig, aber es gibt sie.

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  6. Hach ja, wie ich das kenne :) Der Post gefällt mir. Eigentlich war ich aber aus einem anderen Grund hier. Leider finde ich keine Mailadresse, daher einfach als Kommentar: Ich habe die freie Zeit zwischen den Jahren mal genutzt und eine Liste mit veganen deutschsprachigen Blogs erstellt. Ich wollte nur Bescheid sagen, dass du auch darin auftauchst, und hoffe, das ist dir recht :)

    Liebe Grüße und einen guten Rutsch
    Carola

    http://twoodledrum.blogspot.de/p/vegane-blogs.html

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  7. Och ich kann dich so gut verstehen =/ Ich lebe vegetarisch ,aber hauptsächlich aus dem Grund, weil ich mir einfach nicht genau im klaren darüber bin, wie weit genau sich die veganen Kreise ziehen. Ich war auch oft der Verzweiflung nahe.
    Ich finde es furchtbar sich für Dinge rechtfertigen zu müssen, die man als Veggie ja angeblich nicht machen darf, z.B. in den Zoo gehen. Diese Moralapostel, die dann aber selbst viel "falsch" machen, wie z.B. Fleisch essen, usw.
    Jedes kleine bisschen, das man als Mensch macht, um etwas zu verbessern, ist gut und absolut lobenswert.
    Deswegen kritisiere ich niemanden in seiner Lebensweise, denn jeder muss für sich selbst entscheiden, was er/sie verantworten kann oder eben nicht.
    Es ist wahnsinnig anstrengend.

    Liebe Grüße,
    Jule

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  8. Huhu Liath!!
    Mensch nun habe ich diesen Blog jetzt erst entdeckt.
    Nein, du wirst nicht die Welt verändern..... aber DEINE. Ich tue das nicht, weil ich denke, das wegen meines Verzichtes jetzt alle Massentierställe geschlossen werden... sondern weil ich MEINE Welt sauber halten will. Ich möchte in den Spiegel schauen und mich ansehen können und stolz auf mich sein können. Und das kannst du. Weil du dir Gedanken machst. Weil du nicht einfach konsumierst. Du bist auf dem richtigen Weg :)

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  9. Hallo liath,
    ich hoffe es ist ok, wenn ich mich als feministische Fleischesserin mal zu Wort melde... Erst einmal möchte ich dir sagen, dass ich dich als Freundin sehr inspirierend finde - und angenehm. Wir reden ja öfter aml über das Thema Veganismus und ich empfinde mich nicht angegriffen oder abgewertet durch dich, was ich sehr schätze.
    Wie du ja weißt, denke ich auch viel über das Essen nach und hab schon ein paar mal versucht mich vegetarisch und auch vegan zu ernähren, wobei ich immer kläglich gescheitert bin. Meistens war der Appetit größer oder mein Hashimoto funkte dazwischen...Damals verstand ich nicht, warum es mir schlechter ging, wenn ich mich vegan ernährte. Heute weiß ich, es war der Soja und wahrscheinlich auch das viele Jod.

    Nun ja, auf jeden Fall merke ich, dass ich trotzdem unbedingt umdenken muss - für mein Gewissen und meine persönliche Verantwortung gegenüber unserer Erde. Ich habe mir fest vorgenommen, meinen Fleischkonsum stark einzuschränken, bzw. tue das schon. Aus ökologischen Gründen versuche ich dann eher Geflügel als Schwein oder Rind zu wählen. Ich versuche Bioprodukte zu wählen. Leider reicht für richtige Öko-Produkte das Geld nicht.
    Das wären wir auch schon beim nächste Punkt: mein Konsum-Verhalten an sich. Auch an dessen Einschränkung arbeite ich.
    Auch was ich kaufe - das fängt ja schon bei "verpackungsintensiven" Produkten an. Zum Biepsiel ie Tiefkühl Mikrowellen Poduckte, die ich mit zur Arbeit nehme oder dort kaufe...So viel Müll!
    Ich persönlich finde es am schwersten, all diese guten Vorsätze - auch viel selber kochen - mit dem Lebensalltag zu verknüpfen. Wenig Zeit, Hektik, Stress - wenig Geld. All das macht es einem nicht gerade leicht.
    Und dann diese Resignationsgedanken, wenn ich mir die Nachrichten anschaue oder wie neulich mal wieder ein Sendung sehe wie es um unsere Welt steht und wie stark alle Menschen umdenken und sich einschränken müssten, damit unsere Spezies überhaupt eine Überlebenschance hat... Was kann man tun? Ich würde gerne etwas tun, aber was? Aktivistin werden? Wo anschließen? Wann das noch machen neben zwei Jobs?
    Und das Frauen-Thema sehe ich auch ähnlich wie du.
    Hm, ich hoffe, das war jetzt nicht so arg am Thema vorbei.
    Ist auf jeden Fall nicht leicht, ein Leben zu führen, wobei das eigene Gewissen nicht leidet, finde ich.

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