Mittwoch, 16. Januar 2013

Schönheit aus der (veganen) Küche I: Haare

Warum eigentlich so viel Geld für Drogerieprodukte oder Naturkosmetik ausgeben, wenn man fast alles, was man für ein gepflegtes Äußeres braucht, auch in der Küche (oder im Garten/auf der Wiese) findet? Ich bin seit einiger Zeit wild am Experimentieren, was meiner empfindlichen Haut, meinem feinen, zickigen  Feenhaar, meinen rauhen Lippen etc. gut tut, und zwar jenseits von irgendwelchen Produkten, die die Werbung anpreist.

Folgendes kann ich danach empfehlen:

Widerspenstiges Feenhaar
Part I: Haare

Öl

Was die Pflege angeht, so tut es manchen (man kann einfach nicht verallgemeinern, jede hat andere Haare und muss ausprobieren) Haaren sehr gut, wenn man ab und an etwas Öl in die Spitzen einmassiert. Nicht zu viel natürlich, es sei denn, die Spitzen sind wüstentrocken, dann saugen die doch eine ganze Menge weg (wie bei mir).

Oder aber man gibt es nicht nur in die Spitzen, sondern macht an einem freien Tag eine richtige Ölkur, schmiert sich das Ganze also in die komplette Haarpracht und lässt es für mindestens 2 Stunden, ruhig auch einen ganzen Tag/eine Nacht einwirken (Haube nicht vergessen, damit man sich die Möbel nicht verschmutzt).

Es eignen sich besonders kaltgepresste Bio-Öle. Für feines Haar wie bei mir eignen sich gut leichtere Öle wie Sonnenblumenöl, Sesamöl oder Leinöl. Wer es reichhaltiger mag, kann auch zu Olivenöl greifen - das lässt sich aber echt schwer auswaschen. Auch Rizinusöl ist reichhaltiger und soll das Haarwachstum anregen. Obacht sollte man bei Kokosöl haben, einige schwören drauf, aber viele vertragen es auch gar nicht.

Wer keine Ölkur machen möchte, weil es zu zeitaufwändig ist, kann auch einfach ein paar Tropfen in sein Shampoo geben. Es macht gerade Shampoos, die stark reinigend sind (konventionelle Kosmetik mit SLS, aber auch Naturkosmetik wie Alverde und Alterra), ein bisschen sanfter und pflegender - sauber werden die Haare übrigens trotzdem!

Reichhaltige Kuren

 In der Ayurvedischen Kosmetik wird teilweise auch eine Kur aus Kokosmilch ins Haar gegeben. Diese lässt man für 1-2h einziehen und spült sie dann mit einem silikonfreien Shampoo, einer Spülung, Wascherde oder Waschkräutern aus.

Wer es noch reichhaltiger mag, der kann eine sehr reife Avocado mit etwas Sojayoghurt und Öl pürieren und die Masse in die Haare geben – oder auf’s Gesicht.
Auch eine reife Banane in Kombination mit Öl tut dem Haar gut.

Rinsen und Spülungen

Auch eine saure Rinse ab und an statt einer normalen Spülung ist einen Versuch wert, um die Schuppenschicht der Haare nach der Wäsche wieder anzulegen. Dafür mischt man einfach 1l  (möglichst kaltes!) Wasser mit 1-3 EL Obstessig. Der Essiggeruch verfliegt beim Trocknen, kommt aber manchmal wieder, wenn man im Regen steht. Man kann auch mit einem Zitronensaft-Wasser-Gemisch rinsen.

Aus Kräuteraufgüssen kann man auch schöne Spülungen machen, hierbei gibt es natürlich für jedes Bedürfnis die passende Möglichkeit. Wer fettige Haare hat, kann z.B. eine Handvoll Arnikablüten mit heißem Wasser aufgießen, den Sud eine Stunde ziehen lassen und dann (nachdem man die Blüten abgefiltert hat) das Haar damit spülen. Löwenzahn geht auch, ist aber vor allem für blondes Haar geeignet. (Zitronen-)Melisse hilft bei sprödem Haar, Katzenminze gegen Spliss und für Glanz, Birkenblätter bei Haarausfall, Brennessel beugt Schuppen vor, schwarzer Tee gibt dunklem Haar Glanz usw. Die Kräuterhexen wissen sicher, was ihnen gut tut. ;)

Färben

Wer pflanzliche Haarfarben nutzt, findet in der Küche viele nützliche Zusätze.
Für rotes Haar: Rotbusch-/Hagebuttentee, Rotwein, Paprikapulver
Für dunkles Haar: Schwarztee, Walnussschalen, Kaffee, Salbei
Für blondes Haar: Kurkuma, Safran, Kamillentee


Das war's erstmal. :) Falls ihr noch mehr auf Lager habt, immer her damit! Im Übrigen bin ich mir durchaus der Tatsache bewusst, dass man nicht tagtäglich Lebensmittel für eitle Zwecke verwenden sollte. Es ist etwas, dass ich mir ab und an ganz bewusst und dankbar gönne.

Kommentare:

  1. Bist du das auf dem Foto? Wie eine hübsche Waldelfe :)

    Ich benutze gerne mal Kokosöl für die Haarspitzen.

    Liebe Grüße...

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    1. Ja, das bin ich, danke schön. *rot werd* :)
      Kokosöl als Spitzenpflege soll wirklich gut sein, ich hab's bisher aber noch nicht ausprobiert.

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  2. Ich schwöre absolut auf Lush... und finde es nicht teuer, weil alles unheimlich lange hält.
    Und danke für den Tipp mit dem Hagebuttentee. Ich hatte als Kind von Natur aus schöne rote Haare, die aber immer blonder werden... :-( erst habe ich mit Henna gefärbt, aber nun will ich nicht mehr färben, weil ich natürlich sein will. aber trotzdem möchte ich ein wenig nachhelfen. Einmal Fuchs, immer Fuchs. ;-)

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    1. Lush ist so eine Sache. Ich finde es gut, dass sie nur vegetarische Inhaltsstoffe verwenden und sich oft engagieren. Ich finde es aber nicht gut, dass sie so ein Greenwashing betreiben - sie stellen nunmal keine reine Naturkosmetik her.

      Manche Produkte mag ich sehr, zum Beispiel die Gesichtsreiniger. Andere gehen gar nicht - die Shampoos enthalten beispielsweise sehr scharfe Tenside (die zB für Naturkosmetik nicht zugelassen wären), viele Sachen auch Parabene.

      Ich fühle mich seltsamerweise absolut als Schwarzhaarige (andere Leute sind auch oft geschockt, wenn ich gestehe, dass ich an sich blond bin), daher färbe ich auch. ^^

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    2. Hui, siehst du, das wusste ich nicht, bzw, muss ich erst mal nachsehen, was das alles ist. Mir war in erster Linie wichtig, das es ausschließlich vegane und vegetarische Produkte gibt und keine Tierversuche gemacht werden. Dann habe ich die Produkte getestet und fand sie absolut super. Aber da werde ich noch einmal hin sehen, danke für den Denkanstoß!!!
      Ich bin mittlerweile vom farben weg, weil ich für mich einfach entschlossen habe, das ich mich genau so akzeptiere, wie ich von Natur aus bin. Ohne gefarbte haare, ohne farbverstarkende Kontaktlinsen, ohne rasierte Beine, ohne MakeUp.

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    3. Wenn du die Sachen trotz der Inhaltsstoffe gut verträgst, ist das ja prima. Ich habe zum Beispiel von den Shampoos tierisch Kopfhautjucken und Schuppen bekommen, weil ich so aggressive Sachen nicht vertrage und zu spät die INCIs gelesen habe, weil ich mich auf den guten Namen von Lush verlassen hatte. Und die Hautsachen sind oft wahre Glycerinbomben, damit komme ich auch nicht klar.

      Deine Einstellung finde ich sehr anerkennenswert und sie würde sicher vielen gut tun!

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  3. So ein schöner Beitrag! :-)
    Über die letzten beiden Sätze muss ich aber etwas nachdenken - weshalb soll man nicht häufiger die Rohstoffe zur Körperpflege verwenden, die wir auch essen? Meiner Ansicht nach kann es der Umwelt und uns eher nur gut tun, wenn wir Dinge verwenden, die noch relativ nah an ihrem ursprünglichen Zustand sind anstatt in stark verarbeiteter Form.
    Ich zum Beispiel mag gar keine künstlich hergestellten Tenside, selbst wenn sie aus Zucker oder Kokos gewonnen wurden und dann bio heißen (und lange nicht alle Biokosmetikfirmen verwenden nur Kokos- und Zuckertenside). Wenn ich die Inhaltsstoffe von Waschlotions, Shampoos etc in Bioläden lese, bin ich häufig noch ärger enttäuscht als im konventionellen Supermarkt, weil ich irgendwie mehr bio erwarte, als ich dann in den Flaschen und Tuben finde.

    Ich finde es sinnlich-schön, meinem Gesicht eine Maske aus Tonerde mit Quark und Öl zu gönnen, meine Haare mit Haarseife und saurer Rinse zu pflegen und meine Creme aus den für mich richtigen Ölen selbst zu rühren. Undsoweiter... Ich denke, Du verstehst, was ich meine. Irgendwie fühlt es sich für mich stimmiger und natürlicher an als jede Biokosmetik, die ich kaufen kann.

    Liebe Grüße!

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    1. Du hast natürlich recht - ich glaube, ich bin da einfach zu sehr von meiner Erziehung geprägt (die durch meine Oma erfolgte, die ja noch den Krieg miterlebt hat): Mit Essen spielt man nicht, das soll dich vor Hunger bewahren.

      Was die Inhaltsstoffe von "Naturkosmetik" angeht, bin ich auch oft ganz schön geschockt. Vor allem auch, wenn ich den Preis damit vergleiche - wenn etwas vor allem aus Glycerin, Alkohol, Wasser und vielleicht noch Palmöl besteht, aber im zweistelligen Preisbereich liegt, kann ich nur den Kopf schütteln.

      Ich hoffe ja, in nächstes Zeit auch mal selbst zu sieden und zu rühren - schade, dass ein Seminar von dir durch die Distanz vereitelt wird!

      Alles Liebe!

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  4. ich habe auch mal eine zeit kokosöl für die spitzen genommen (oder als haarpackung). das ist allerdings jetzt leer. nun habe ich noch das alverde haaröl und eine flasche jojobaöl. ich nehme lieber das jojobaöl. das ist toll für meine spitzen :)
    saure rinse mache ich auch manhcmal, wobei ich finde, der essiggeruch geht nie richtig weg. man riecht es trotzdem etwas, auch wenn ich apfelessig nehme. manchmal wasche ich meine haare auch mit kokosseife :)

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    1. Jojobaöl ist wirklich toll. :)

      Vielleicht bin ich schon zu sehr an Essiggeruch gewöhnt, weil ich damit auch regelmäßig putze. Und ich mag den Geruch von Himbeeressig beispielsweise eigentlich auch ganz gern.

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    2. bisher hatte ich nur apfelessig. wenn das mal leer ist, hol ich mir mal einen anderen fruchtessig, mal sehen :)

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    3. Ich glaube, der Essiggeruch ist etwas, das in den verschiedenen Haarstrukturen völlig unterschiedlich hängen bleibt - bei manchen riecht man es hinterher und bei anderen gar nicht. Ich selbst mag den Geruch auch nicht sonderlich bei mir und spüle daher mit Zitrone oder Limette, das funktioniert bei meinen Haaren wunderbar :-)

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    1. Sodium Laureth Sulfate, das ist ein anionisches Tensid. Es ist stark reinigend und schaumbildend, wird daher gern in konventionellen Produkten verwendet. Allerdings ist es auch hautreizend und austrocknet - benutze ich ein Shampoo mit SLS, kriege ich einen Tag später sofort Trockenheitsschuppen.

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  6. Schöne Tipps!
    Ich schaue mich auch gerade um nach derlei Alternativen. =)

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    1. Danke! Und ja, natürliche Alternativen sind immer eine gute Wahl. Seit ich mich mit Inhaltsstoffen beschäftige, drehe ich alles um, was ich kaufe - ob Lebensmittel, Deo, Bodylotion oder Fensterreiniger. Und bin fast immer entsetzt.

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    2. Das geht mir auch so.
      Unglaublich, was man alles im Essen und in den Pflegeprodukten hat.

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  7. Birkenblätter helfen bei Haarausfall...? Hast Du dies bzgl. womöglich noch mehr Tipps auf Lager...? Vermutlich handelt es sich in meinem Fall um eine medikamentöse oder krankheitsbedingte Ursache....

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    1. Ja, tun sie - das hat schon meine Oma benutzt und die kannte ihre Kräuter. :) Gibt es auch in vielen Läden fertig gemischt (aber nicht immer ist drin, was draufsteht), aber selber machen finde ich sinniger.

      Bei Haarausfall ist es sicher erstmal sinnig, alles zu vermeiden, was den Haaren schadet: Nicht im nassen Zustand kämmen, nicht mit Glätteisen und heißem Fön ran, nicht chemisch Färben (das ist überhaupt viel Gift nicht nur für die Haare, das dringt auch in den Körper!), nicht täglich waschen und auch nur den Ansatz waschen, für den Rest reicht der Schaum, der beim Spülen runterläuft. Vorsichtig Kämmen, am besten mit einem grobzinkigen Holzkamm, nicht an den Haaren Reißen.

      Ich kann dir ansonsten auch noch ein ayurvedisches Haaröl empfehlen, und zwar das Amla-Öl von Khadi (wollte ich eh noch reviewen, das ist nämlich absolut genial), Google zeigt dir den Weg. Seit ich das nehme, wachsen mir dutzende kleine Babyhaare auf dem Kopf. Es ist relativ teuer, hält aber ewig, weil es sehr ergiebig ist.

      Und ansonsten: Grüner Tee (zum Trinken) soll auch das Haarwachstum fördern. Bei mir klappt es auch (zumindest wachsen die Haare messbar schneller), aber leider vertrage ich nicht so viel Koffein ...

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    2. Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! Und stimmt, das mit den Birkenblättern wusste ich eigentlich auch schon mal, hatte es aber irgendwie total vergessen. Nach dem Haaröl werd ich gern mal schauen, nur grüner Tee ist bei mir leider auch nicht drin, vertrag ich nicht so gut.

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    3. Also gegen meinen krankheitsbedingten Haarausfall habe ich leider auch noch kein probates Mittel gefunden, auch die Birken mochten mir nicht helfen. Trotzdem freue ich mich über jedes Häärchen, welches zurück kommt, fällt auch sofort auf, da die frischen weißen kerzengerade abstehen, wie ein Mini-Igel^^
      Hm, Lush probiere ich auch gerade aus, aber wo Du das mit dem Kopfjucken erwähnst, muss ich auch mal genauer lesen und beobachten.....

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    4. Danke für deine tollen Tipps. Ich habe irgendwann im letzten Jahr leider auch Haarausfall bekommen. Wahrscheinlich vom Stress, möglicherweise aber auch vom Vitaminmangel (Eisenmangel hatte ich schon immer regelmäßig und Vitamin B12 Mangel vermutlich auch schon, bevor ich vegan wurde). Daher bin ich für deine Tipps sehr dankbar, da ich keine unvegane Kieselerde einnehmen möchte (oder kennst du zufällig ein Kieselerdeprodukt, das vegan ist??). Grünen Tee trinke ich aufgrund des Koffeins leider auch nicht, aber das mit den Birkenblättern klingt sehr gut. Sollen es frische sein oder gibt es die getrocknet zu kaufen?

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    5. Bei Kieselerde weiß ich nichts, aber ich weiß, dass einige auch auf Heilerde schwören, die man definitiv vegan bekommt, oder auch Bierhefe.

      Momentan gibt es ja eh nur getrocknete (in der Apotheke beispielsweise), aber es geht grundsätzlich beides.

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  8. Bei Kokosmilch könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass das die Haare wieder schön geschmeidig macht. Danke für den Tipp. LG...

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