Mittwoch, 29. August 2012

Ernährung und Sexismus

Etwas, von dem ich vor einigen Jahren nicht gedacht hätte, dass es so oft zusammenhängt: Ernährung und Sexismus. Wenn man auf beides ein bisschen besser Acht gibt, fällt einer aber so manches auf, was zu denken gibt.

Oftmals werde ich beispielsweise gefragt, wie das so mit dem Freund ist, der ja kein Vegetarier ist, ob er dann immer eine Extrawurst bekäme. Ich verneine und erkläre, dass der Freund vollkommen zufrieden ist, wenn er einmal im Monat bei seinen Eltern zum Essen eingeladen wird, wo es dann Fleisch gibt. Ansonsten kommt er mit vegetarischer Ernährung super zurecht und auch mit den allermeisten veganen Gerichten. Sofort kommt die Antwort von Freundinnen, dass das ja sehr schön sei, bei ihnen wäre das nicht möglich. Sie würden ja auch gern öfter vegetarisch essen, aber ihre Freunde seien echte Kerle und bräuchten täglich das Fleisch (und seperat kochen sei ja so aufwändig, bla). Soso, echte Kerle sind also Fleischesser und wer nicht mindestens einmal die Woche Fleisch isst, der is(s)t nicht "männlich" genug?
Viele Männer selbst zelebrieren, glorifizieren das Fleischessen tatsächlich als etwas unheimlich Männliches, zumindest ist mir das häufig aufgefallen (gerade bei Metalfestivals, aber vielleicht ist das auch eine sehr spezielle Subkultur?). Dabei hat das eine, rein logisch, mit dem anderen nichts zu tun. Man braucht keinen Penis, um Fleisch zu essen. Und man ist kein großer Jäger, wenn man im Supermarkt ein Steak kauft.

Umgekehrt wird es Frauen auch oft als Schwäche ausgelegt, leben sie vegetarisch. Als zu zärtlich, mitfühlend wird die Tierliebe belächelt, das Engagement nicht erst genommen, die Argumente als hysterisch ausgelegt. Entweder ist eine also schwach, weil sie ein mitfühlendes Herz hat und die Stärke, nach ihrer Moral zu handeln, oder sie ist eine Zicke, weil sie um die nötige Aufmerksamkeit für ein Thema kämpft, das ihr am Herzen liegt.

Mehr zu dem Thema demnächst. Vielleicht habt ihr auch Gedanken dazu? Warum sind so viel mehr Frauen als Männer vegan oder vegetarisch, glaubt ihr, das hängt mit diesem Sexismus zusammen?

Kommentare:

  1. Ich glaube schon, dass dieser Zusammenhang besteht. Die zartbesaitete Seele der Frau ist selbstverständlich mitfühlender als der harte Mann, der kaum eine Gefühlsregung zeigt. Man möge nur Friedrich Schlegels "Lucinde" lesen - die Frau als die Verkörperung des Gefühls, der Mann das Vernunftwesen... Das 19. Jahrhundert war schon spaßig. Nur hat sich dieses Klischee bis heute gehalten. Vielleicht nicht mehr in diesem extremen Ausmaße (und gerade "Lucinde" galt als geradezu emanzipatorisches Werk), aber man würde lügen, wenn man sagte, man sehe keine Parallelen zu früheren Geschlechterbildern.

    Und wer noch nicht ganz überzeugt ist, möge sich doch bitte das hier ansehen: http://www.beef.de - "Für Männer mit Geschmack", soso. :-)

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    1. Ja, gerade dieses "Beef"ding finde ich eh ganz fürchterlich und es passt super ins Bild. Ich denke auch, wir sind noch weit von einem wirklich modernen Frauen- und Männerbild, eben von einem Menschenbild entfernt.

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    2. ... "der Mann das Vernunftwesen" ...

      Gerade dann sollte der Mann doch vegan leben! :)

      Und als Kontrast zur Beef: http://www.maennlicher.de/2012/ist-fleischkonsum-ein-symbol-der-maennlichkeit/

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  2. Das ist so wahr! Also, mein persönlicher Eindruck ist ebenso.
    Mein Freund lebt auch Omnivore und ich möchte nun vegan beliben. (P.s: mit 21Monate alter gemeinsamer Tochter)
    Wenn ich vegan auftische schmeckt es ihm meist nicht, was aber wohl nicht unbedingt am veganen, sondern eben allgemein an meinem Kochen liegt. Ich mag indische, sehr "andere" Gewürze, esse auch mal 2 oder 3 Tage teilweise das selbe oder Variiere wenn nach dem ersten Tag eben noch was davon übrig ist und das mag er auch nicht.
    Salz und Pfeffer und naja... Hausmannkost halt wäre am Besten.
    daher koche ich meist was wo ich für ihn was mit Fleisch dazu tun kann, manchmal, nicht immer.
    Doppelter Aufwand und es nervt einfach schon extrem. *seufz*
    Und sind wir wo eingeladen zum Grillen haut eer sich das Fleisch mitlauter protzigen Kommentaren voll rein udn jammert dann zuhasue, wenn es kein anderer mehr mitbekomtm wie schlecht ihm nicht sei und das ihm das wohl doch eigentlich nicht recht gut tut.
    was soll man da noch sagen... *jammer*
    tut mir leide wegen dem vielen Text, ihr seht, das Thema trifft bei mir voll zu und beschäftigt mich! *grins*
    Danke fürs Zu"lesen"
    Danke für Deine Worte!
    GLg, MamaMia

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    1. Ich wünsche dir, dass ihr bald gute Kompromisse finden werdet und dass du dich nicht unterkriegen lässt. Vielleicht kommt deinem Freund ja auch noch die Erkenntnis, dass eine gesunde Ernährung wichtiger ist als das was andere sagen und denken und er schlägt sich den Bauch nur noch mit Salat voll. ;)

      LG
      Liath

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  3. Tja, was soll man da machen... bei uns gibt es ab und zu die "Extrawurst". So kann ich ganz normal kochen, was ich will, und gegen Ende werfe ich noch schnell einen Klops in die Pfanne oder so. Das liegt aber nicht daran, dass mein Freund ein Mann ist, sondern einfach daran, dass er gerne Fleisch isst. Und wenn er (wie diese Woche) mal vier oder fünf Tage hintereinander nur Pflanzen isst, sagt er auch keinen Pieps.

    Ich finde deine Freundinnen unglaublich unemanzipiert, wenn sie das, was sie (angeblich) wirklich wollen, zurückstellen, um den Mann in ihrem Leben nicht zu verärgern. Eine erwachsene Beziehung sollte ein wenig Diskussion ums Futter (und die notwendigen Kompromisse) durchaus ertragen.

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    1. Finde ich gut, dass das bei euch mit den Kompromissen so wunderbar läuft! Ich hätte auch kein Problem, wenn der Freund öfter seine Extrawürste wollte, was ich auch immer wieder anmerke. Wobei es der Geldbeutel auch dankt, dass dem nicht ist. ;)

      Ach, ich glaube, die brauchten nur eine Ausrede (denn komischerweise muss es beim Mädelsabend auch immer Fleisch geben, wenn nicht gerade ich koche) und das war so mit die bequemste...

      lg
      Liath

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  4. In meinen Augen haben Männer, die dieses Fleisch-Ding so hochhalten, ein Ego-Problem. Man KÖNNTE ja für empathisch gehalten werden, oh je... Meiner Meinung nach hat Vegetarismus und Veganismus nicht nur etwas mit Mitgefühl, sondern vor allem etwas mit Verstand zu tun. Wer wirklich nachdenkt, sich für sich selbst und die Welt interessiert, der isst kein Fleisch. Ehrlich nicht.
    Mein Mann ist auch Veganer, gleichzeitig mit mir geworden. Und er hat sich noch nicht einmal einen dummen KerleBrauchenFleisch-Spruch anhören müssen. Es kommt auch sehr drauf an, was für Typen von Menschen im persönlichen Umfeld so leben.

    Liebe Grüsse,
    Monster

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    1. Ja, ich denke auch, dass das Ego da sehr mit hineinspielt. Wobei das ja auch manche Frau trifft - viele junge Frauen, die ich kannte oder kenne, essen in Gesellschaft nur kleine Portionen Salat, um nicht als "verfressen" oder "unweiblich" zu gelten, in einem intimeren Rahmen schlagen sie sich dann allerdings den Bauch mit allem möglichen Kram voll. Es zeigt mal wieder, dass wir hier in zu viel Luxus leben - wer sein Ego (auch) über's Essen definiert, sollte wirklich mal gründlich nachdenken.

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  5. Gefällt mir gut, dein neuer Blog. Der Hintergrund wirkt so frisch. :)

    Ernährung und Sexismus sind tatsächlich zwei Themen, die sehr eng miteinander verknüpft sind. Die Werbung zeigt uns das auch sehr deutlich. Man denke z.B. mal an die Murder King Werbung, die da wirklich hervorragende Beispiele bietet. Ein ganzer Kerl dank Chappy ... oder so ... ;)
    Ich finde es immer wieder verblüffend wie selbstverständlich und weitverbreitet (insbesondere der "wohlwollende") sexismus ist. Ich ertappe mich selbst sogar manchmal. Aber es ist auch wirklich kein Wunder wenn man sich mal in unserer Gesellschaft umsieht. Und wehe man benennt Sexismus als solchen, wenn man/frau ihn sieht ...

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    1. ach ja, mein mann ist übrigens auch mit mir auf vegan umgestiegen. ich bin sehr happy darüber, dass er sich auch dafür entschieden hat, was ich so nicht erwartet hatte. aber ich muss auch sagen, dass ich mir inzwischen (nach 4 1/2 veganen jahren) nicht sicher bin, ob ich noch eine beziehung mit einem omnivoren führen könnte, allerdings ist diese überlegung natürlich sehr hypotetisch.

      für mich klingen die erklärungen deiner freundinnen auch ein wenig nach ausreden für die eigene inkonsequenz, oder aber sie brauchen wirklich vielleicht noch etwas emanzipationsnachhilfe, wenn sie ihre eigenen ideale, wünsche und wertvorstellungen so hintenanstellen, um ihren freund nicht zu verärgern. ;)

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    2. Werbung geht an mir oft vorbei, da ich keinen TV habe, aber ich kann mir vorstellen, dass da eine Wurzel des Bösen liegt. ;)

      Und ja, ich habe auch eher das Gefühl, dass es sich bei den Freundinnen eher um Ausreden handelt, eigentlich sind die nämlich durchaus emanzipiert ...

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  6. Hallo Liath!

    Ich habe dir einen Award verliehen.

    Lieber Gruß! :)

    http://nixenhaar.blogspot.de/2012/08/tag-acht-dinge-uberhaare-zwei-awards.html

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  7. Können eure Freunde/ Männer nicht selbst kochen?
    Ich würde nie Fleisch für meinen Freund zubereiten und ebenso ist es für mich selbstverständlich, dass mein Freund vegan kocht, damit wir beide es essen können.

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    1. Mein Freund zumindest kocht durchaus auch (und auch vegan), wir wechseln uns ab. Wollte er Fleisch essen, würde er mich wohl auch nie bitten, es für ihn zuzubereiten.

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  8. Das ist zwar nun ein ganz anderer Ansatz, aber die Verbindung von fleischhaltiger Ernährung und Männlichkeit ist nicht nur ein "Kopfding", das mit sexistischer Werbung oder mangelnder Sensibilität zu tun hat. Der Zusammenhang von Testosteronbildung und Ernährung wird schon lange fachwissenschaftlich untersucht und trotz einiger widersprüchlicher Untersuchungsergebnisse ist ein Grundtenor, der sich durch die Ergebnisse zieht der, dass der Testosteronspiegel durch den Eiweißgehalt der Ernährung und durch die Anteile von gesättigten Fettsäuren beeinflusst wird. Und dass offenbar häufig vegetarische Männer einen niedrigeren Testosteronspiegel aufweisen.

    Es gibt eine Reihe interessanter Studien zu dem Thema auf PubMed, wenn Du Dich mal reinlesen magst :-)

    Liebe Grüße :-)

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    1. Danke für den Hinweis! Wobei ich auch den Zusammenhang zwischen Östrogen und omnivorer Ernährung spannend fände. Ich muss mal recherchieren. :)

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    2. Da bin ich mal gespannt, was Du herausfindest und sicher hier bloggst :-) Für mich selbst ist Ernährung kein so zentraler Punkt, weshalb ich das Thema nicht weiter recherchiert habe (ich les mich dann immer gleich so fest...), aber es ist auf alle Fälle in einiger Hinsicht interessant.

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  9. Das erinnert mich, neben dem Beef magazin, an meine Oma als sie hörte dass ich Vegetarierin werde als ich 12 war. "Naja, aber Fleisch kochen musst du doch trotzdem lernen. Für deinen Mann." Und dieses Resonanz hört man so oft, aber eben doch etwas subtiler..

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    1. Das ist wirklich bitter, aber ich kenne es leider auch in der subtilen Variante.

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  10. Hallo Liath, einen schönen Blog hast du, den abonnier ich gleich. Das Thema ist superinteressant und so wahr!! Ich hab heute erst in einer der letzten Freitag-Ausgaben über dieses neue "Mädchen-Ei" gelesen und war entsetzt, ich kannte das noch nicht.

    Mein Freund ist übrigens auch omnivor, und zwar überzeugter...wir kochen getrennt, haben das aber schon immer gemacht, also auch, als ich noch nicht vegan war (unsere Geschmäcker sind viel zu verschieden). Wenn er Fleisch will, soll er sich welches kaufen und braten. Und das macht er auch. Habe nicht vor, das zu ändern ;-)

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  11. Also von der männlichen Seite her betrachtet finde ich es als sowas von gar nicht "männlich", Fleisch zu essen. Als selbstbewusster Mann braucht man es sicher nicht, das "männliche" Fleischessen. Also an alle Frauen, wie seht ihr das, sind z.B.: Patrick Baboumian, Mike Tyson, Karl Ess,... "männlich", auch wenn sie kein Fleisch essen?
    lg

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  12. Von mir gibts auch ein Abonnement und damit du 50 Leser hast, gleich bei Google Friend Connect und Bloglovin. Ein wichtiges Thema, das du da ansprichst. Mein Freund jammert immer irrsinnig, weil ich mich weigere Fleisch zu kochen, aber er lebt damit und kann sich ja selbst was machen, wenn er unbedingt Fleisch haben will, da reg ich mich nicht auf.

    Und ich find vegetarische und vegane Männer überhaupt nicht unmännlich, ganz im Gegenteil. Ich finds cool, wenn Männer sich vom normalen Rollenbild verabschieden und sich auf neue Wege des Essens wagen!

    Liebe Grüße
    Nadja

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    1. Oh, wie lieb von dir, da heiße ich dich hier herzlich Willkommen!

      Ich finde auch, dass das doch nur zeigt, dass ein Mann auch ausbrechen kann aus ihm aufgedrängten Klischees, also einen eigenen, starken Willen und Charakter hat - und was ist sexier als das? :)

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